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Schulen haben Personal noch längst nicht komplett

Land stellt nun doch 170 zusätzliche Pädagogen ein

02.07.2010

Martin Klesmann

Wenige Tage vor den Sommerferien haben viele Berliner Schulen immer noch nicht die nötigen Lehrer- und Erzieherstellen für das kommende Schuljahr bewilligt bekommen. "So spät wie jetzt war es noch nie", sagte Petra Herre, Schulleiterin der Elizabeth-Shaw-Grundschule in Pankow. An anderen Grundschulen im Bezirk konnten bisher noch nicht einmal die Klassenlehrer benannt werden. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die "hektische, unübersichtliche Lage" in ganz Berlin und geht davon aus, dass noch mehrere hundert Lehrerstellen unbesetzt sind.
Jetzt endlich steuert die Bildungsverwaltung nach. Nach Angaben der GEW werden den allgemein bildenden Schulen der Bezirke noch einmal 70 zusätzliche Lehrerstellen zugewiesen, zudem werden noch einmal 100 zusätzliche Erzieher unbefristet eingestellt. Das heißt: Viele Lehrer, die nach den jüngsten Bewerbergesprächen auf der Warteliste standen, werden bald einen Anruf erhalten. Mitunter werden sie bereits im Urlaub sein. Zunächst muss die Schulaufsicht noch ermitteln, welche Schulen die größten Personalengpässe haben.
Schulen leihen sich Geld
Offenbar hatte die Bildungsverwaltung zuvor die Schulen angewiesen, schon jetzt die Mittel für Vertretungslehrer abzurufen, um den 100-prozentigen Ausstattung mit Lehrerstellen zu gewährleisten. "Hier werden bewusst Mittel, die eigentlich für kurzfristige Vertretung gedacht sind, zweckentfremdet", sagte die GEW-Vorsitzende Rose-Marie Seggelke. Besonders bemerkenswert: Einige Schulen wollen sich mittlerweile schon von anderen Schulen das nötige Geld aus dem Vertretungslehrer-Topf leihen, weil das eigene Personalkostenbudget (PKB) bereits verbraucht ist. "Wir sind bereits gefragt worden, ob wir unsere Mittel ausleihen können", berichtet Gerd Combecher, Konrektor der Tucholsky-Grundschule in Mitte. Seine Schule hat derzeit einen Lehrer auf PKB-Basis eingestellt, um überhaupt die von der Bildungsverwaltung eigentlich garantierte 100-prozentige Ausstattung zu erreichen. Auch in Tempelhof-Schöneberg fehlen nach Angaben des dortigen Personalrats noch etwa 50 Stellen. Hinzu kommen in vielen Schulen Abstriche bei den Sonderpädagogen.
Paul Schuknecht von der GEW-Schulleitervereinigung fordert, die Lehrereinstellungen endlich wie in den anderen Bundesländern früher vorzunehmen. Hinderlich sei bisher, dass Bezirke und Senat über unterschiedliche Schülerdaten verfügten und sich dann darüber streiten würden, wer die richtigen Zahlen habe. Auch sei es nicht nötig, stets auch noch die Schulräte einzuschalten, so Schuknecht. Vor allem aber müsse man nicht warten, bis Referendare kurz vor den Sommerferien ihr Zweites Staatsexamen abgeschlossen haben. "Vielmehr kann man mit diesen jungen Kollegen schon aufgrund der Vornoten einen Vorvertrag abschließen", sagte Schuknecht. Darin müsse dann stehen, dass die Note des Zweiten Staatsexamens nicht allzu deutlich von den Vornoten abweichen dürfe. "So macht das Hamburg."
Schon jetzt sorgen die diversen Schulreformen und der "doppelte Abiturjahrgang" für einen erhöhten Arbeits- und Verwaltungsaufwand an den Schulen. Auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hatte jüngst angekündigt, Neueinstellungen für das übernächste Schuljahr bereits im Frühjahr 2011 vornehmen zu wollen. Mal schauen, ob es klappt

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